27.09.2017  | 
Sozialarbeit an Schulen

Demokratie fängt schon im Kleinen an

Wriezen (MOZ) Zu einem Tag der Demokratie waren Zehntklässler am Dienstag im Rahmen der Interkulturellen Woche "Vielfalt statt Einfalt" eingeladen. Teilnehmer zeigten sich dabei zum Teil überrascht, wo Demokratie bereits anfängt.


Aus mehr als zehn Workshops hatten sich die Zehntklässler der Salvador-Allende Schule und des Evangelischen Johanniter-Gymnasiums in Wriezen drei Themen aussuchen können, denen sie sich am Vormittag widmen wollten. Jennifer Zeibe von der Allende-Schule hatte sich für Flucht und Asyl, Energiedrinks und Leben mit Handicap entschieden. Letzteres, weil sie wissen wollte, wie das ist und wie Betroffene damit umgehen, erzählte die 16-Jährige. Zu Energydrinks greife sie selbst nur ab und zu. "Aber über das Thema wird ja diskutiert", sagte die Lüdersdorferin und verwies auf eine mögliche Altersbeschränkung beim Verkauf und gesundheitliche Aspekte. Aus ihrer Sicht seien aufputschende Energiegetränke, die Koffein und viel Zucker enthalten, nicht lebensnotwendig und sollten von unter 14-Jährigen nicht konsumiert werden. Ähnlich sah dies auch die Mehrheit der Teilnehmer dieses Workshops. 28 von 41 Schülern hatten in einer Abstimmung für eine Freigabe ab 14 Jahren entschieden. Nur sieben wollten keine Altersbeschränkung.

"Flucht und Asyl" sei ein vieldiskutiertes Thema, sagte Jennifer Zeibe und fügte hinzu: "Heute konnte ich mehr Hintergrund dazu erfahren. So habe ich bisher nicht gewusst, dass es in Schweden mehr Asylbewerber gibt als bei uns und dass sie nicht mehr Geld als ein Hartz-IV-Empfänger zur Verfügung haben. Auch sonst bekommen sie keine Extra-Wurst und müssen im Schwimmbad zum Beispiel genauso Eintritt zahlen wie andere."

Als Mark Steiner vom Christlichen Verein Junger Menschen (CVJM) zur Abschlussrunde in den Speisesaal der Allende-Schule bat, wollten sich allerdings nur wenige der Jugendlichen äußern. In großer Runde ist das offensichtlich schwierig, denn mehrere Workshop-Leiter hatten sich zuvor von der Offenheit und Mitarbeit der Schüler angenehm überrascht gezeigt. "Meine Erwartungen wurden übertroffen", hieß es etwa von Cassandra Beiersdorf vom Elisabeth-Stift, die das Thema "Rassismus im Alltag" mitbetreut hatte. Interessant sei für sie auch gewesen, dass jeder der drei Workshops an dem Tag anders gewesen sei. Auf einem der entstandenen Plakate stand: Jeder Mensch ist gleich. Hassan Abul Fadl, einer von vier Migrationssozialarbeitern im Landkreis, freute sich über eine angeregte Diskussion über die Demokratie im Allgemeinen und auch über den Islam. Teilnehmer seiner Workshops hoben zudem hervor, ihre Namen jetzt auf Arabisch schreiben zu können.

"Demokratie heißt, sich in die eigenen Angelegenheiten einzumischen", gab Mark Steiner den Jugendlichen zum Schluss ein Zitat von Max Frisch mit auf den Weg. Demokratie beginne da, wo man sich für andere interessiere - ja sogar schon bei der Planung eines Familienausflugs. Wenn die Schüler etwas an ihrer Schule störe, so könnten sie sich an ihren Klassensprecher, den Vertrauenslehrer und auch an die Direktorin wenden. "Sprecht miteinander", ermutigte er die Schüler, forderte aber auch, sich in die Lage anderer zu versetzen und immer beide Seiten zu betrachten. Und hatte an die jungen Leute einen Wunsch: "Dass Ihr Euren Platz findet."


Artikel von: © MOZ/Anett Zimmermann
Fotos: CVJM Oderbruch e.V.
Link zum Originalartikel: http://www.moz.de/artikel-ansicht/dg/0/1/1607414

Aktualisiert durch: Marcel Schröder