26.10.2017  | 
Familienzentrum Nest

Ab neuem Jahr kommt der Besuchsdienst für Babys

Seelow (MOZ) Seit 2013 gibt es in Seelow "Das Nest". Die Einrichtung des CVJM in der Berliner Straße ist eine Anlaufstelle für junge Eltern. Vor allem für jene Zeit, in der die Kinder noch keine Einrichtung besuchen, Mütter und Väter sich mitunter überfordert sehen, die neue Lebenssituation zu meistern. Auch das Netzwerk "Gesunde Kinder" bietet Hilfe.
"Der Punkt ist, dass wir einige Eltern mit den Unterstützungsangeboten einfach nicht erreichen", erläuterte Amtsarzt Steffen Hampel im Gesundheitsausschuss des Kreistages. Er stellte das Projekt "Babybesuchsdienst" vor, das im kommenden Jahr in der Sozialregion Ost - also im Altkreis Seelow - starten soll. Es ist ein Ergebnis der Gesundheitskonferenz, bei der die Betreuung junger Eltern wiederholt Thema war. "Es geht nicht darum, ein neues Angebot zu schaffen", betonte der Amtsarzt. "Wir wollen vielmehr erreichen, das junge Mütter über die bestehenden Angebote informiert werden und diese auch nutzen."

Die Region Ost ist nicht ohne Grund für den Start gewählt worden. Von den 307 Fällen der Kindeswohlgefährdung und 478 Fällen der Hilfe durch das Jugendamt kamen im vergangenen Jahr anteilig die meisten aus der Sozialregion Ost. Junge Mütter fühlen sich überfordert, suchen keine Hilfe, bis die Situation irgendwann eskaliert.

Mit dem Babybesuchsdienst wolle man gegensteuern, erklärte der Amtsarzt. Das Gesundheitsamt erhält von den Einwohnermeldeämtern die Information über Geburten. Zehn bis zwölf Wochen nach der Entbindung soll künftig eine Fachkraft die Mutter aufsuchen, mit ihr ins Gespräch kommen, Hilfe anbieten, wenn sie nötig erscheint. "All das muss behutsam geschehen und nicht nach einem vorgefertigten Protokoll", betonte Hampel. Am Anfang werde es darum gehen, Vertrauen aufzubauen.

"Das kennen wir aus der Mütterberatung", erinnerte Hannelore Kaul (SPD). Sie begrüßte das Vorhaben und wünschte sich sogar einen noch zeitigeren Erstbesuch. Man brauche einen Vorlauf, um Termine abzustimmen, machte Hampel deutlich. Acht Wochen seien mindestens nötig.

Die Sorge, dass damit die Aufgaben von Hebammen übernommen werden könnten sah der Amtsarzt nicht. In der ländlichen Region würden Hebammen händeringend gesucht. Zudem soll das neue Angebot ohnehin in Kooperation mit Hebammen, Netzwerken, Kinderärzten und dem Jugendamt aufgebaut werden. Funktioniere das Angebot, wolle man es auf die Sozialregion Nord - Altkreis Bad Freienwalde - ausdehnen.

 

Text: Doris Steinkraus
Foto: MOZ
Link zum Originalartikel: http://www.moz.de/artikel-ansicht/dg/0/1/1614217/ 

Aktualisiert durch: Marcel Schröder