04.11.2017  | 
CVJM-Jugendhaus Wriezen

50 Kinder bauen ihre Stadt

Wriezen (MOZ) Der Speisesaal der Salvador-Allende-Schule ist seit Donnerstag ein großes Kinderzimmer: An die 50 Mädchen und Jungen und ihre Betreuer bauen dort ihre Stadt aus 1,8 Millionen Legosteinen. Am Sonntag werden die Ergebnisse vorgestellt.
"Wir bauen unsere Stadt", hatte der Christliche Verein Junger Menschen (CVJM) Oderbruch das Angebot in der zweiten Woche der Herbstferien überschrieben und damit offenbar nicht nur den Nerv der Kinder getroffen. "Wir waren von etwa 20 Anmeldungen ausgegangen", sagt der immer noch überrascht wirkende CVJM-Bereichsleiter Mark Steiner kurz vor der Mittagspause im Speisesaal der Salvador-Allende-Schule. Diesmal wird es Hamburger geben, verrät er.

Aber noch herrscht emsiges Treiben an den Tischen. Michael Schwalbe aus Haldensleben ist mittendrin. Der Prediger ist deutschlandweit mit 1,8 Millionen Lego-Steinen unterwegs. Das Projekt wird vom Gemeinschaftsverband Sachsen-Anhalt, einem Verein innerhalb der evangelischen Landeskirchen, getragen und von Schwalbe betreut.

Plötzlich legt er beide Hände um den Mund und ruft: "Alle mal einen Meter zurück und bitte unten liegende Steine aufheben." Die Kinder kennen das schon. "Anders funktioniert das bei so vielen Steinen nicht", erklärt Michael Schwalbe. Aber was ist schon viel? Die Bauwerke im Speisesaal - zahlreiche schon fertig und andere im Entstehen - beeindrucken bereits. Dabei sind einige noch nicht einmal angefangen, wie anhand der Vorlagen an einzelnen Tischen zu erkennen ist. Und letztlich passen alle 1,8 Millionen Steine sogar in einen recht normalen Pkw-Anhänger.

"Das freie Bauen geht bei solch großen Gruppen einfach nicht", weiß Michael Schwalbe. Größere Kinder würden gern größere Häuser bauen, begründet er, und das wiederum koste Steine zu Lasten der Jüngeren. Und die wiederum bräuchten noch etwas Struktur. Deshalb gibt es Vorlagen zum Beispiel für Reihenhäuser und Wohnblöcke, aber auch für eine Kirche, Feuerwehr und Polizeistation. Luca (5), der mit Monika Kexel vom CVJM-Familienzentrum und Jugendhaus in Seelow, gekommen ist, fragt nach einem Auto.

Sofort melden sich noch weitere Kinder. Michael Schwalbe geht mit ihnen an einen der Nebentische, auf denen noch Plastikboxen mit zig Steinen stehen und weitere Vorlagen zu finden sind. "Such dir eins aus", sagt er zu Luca und der strahlt. Dann muss Schwalbe schon zur Kirche. Die Jungen dort kommen mit dem Fenstersturz nicht klar. Während er ihnen bei der Auswahl der richtigen Steine hilft, zeigt er auch, dass trotz Vorlage natürlich auch freieres Bauen möglich ist. "Wie hoch die Fenster werden oder wie breit - das entscheiden die Kinder selbst."

Unter anerkennendem Beifall wird unterdessen ein Hochhaus, das auf dem Fußboden errichtet wurde, vorsichtig auf den vorgesehenen Platz auf einem der Tische gehievt. Genau darum gehe es bei dem Projekt, gemeinsam als große Gruppe zu bauen, das Gemeinschaftsgefühl, gemeinsam etwas zu schaffen.

Sophie Zepp aus Bliesdorf hat mit Lina (8) aus Lüdersdorf, Ava-Lotte (9) und Djamila-Maria (8), beide aus Seelow, bereits sechs Reihenhäuser gebaut. Lina zeigt stolz auf Dach, Balkone und die Fenster, die sich sogar öffnen lassen. Sophie Zepp gehört zu den Ehrenamtlichen, die den CVJM in seiner Arbeit unterstützen. Sie absolviert gerade ihre Ausbildung zur Sozialassistentin. Und mit Mario Vogt ist auch in Papa in der Runde. "Es sind Ferien", sagt der 38-Jährige und fügt hinzu: "Da wollte ich etwas gemeinsam mit meinem Sohn machen." Lego-Steine kenne er bereits aus seiner Kinderzeit. "Die kamen damals per Westpaket", erzählt er und hatte auch Pebe-Steine, die es zu DDR-Zeiten gab. "Die passten dann allerdings meist nicht zu den Legosteinen."

Der Umzug in den Speisesaal sei eine gute Sache, meint Schulsozialarbeiterin Dagmar Bergmann. Sie hat vor einigen Jahren ein ähnliches Projekt im CVJM-Jugendhaus nebenan mitgemacht. "Da wollte ich jetzt unbedingt wieder dabei sein", sagt sie. "Hier haben wir mehr Platz und sind barrierefrei zu erreichen", fügt sie auch mit Blick auf die gemeinsame Abschlussveranstaltung mit der Landeskirchlichen Gemeinschaft am Sonntag, 12 Uhr hinzu. Letztere lädt, so Mark Steiner, unter dem Titel "Punkt 12" regelmäßig zu thematischen Veranstaltungen ein.

Artikel von: Annett Zimmermann, MOZ
Fotos von: Annett Zimmermann, MOZ 
Link zum Originalartikel: http://www.moz.de/artikel-ansicht/dg/0/1/1616093/ 

Aktualisiert durch: Marcel Schröder