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CVJM Magazin: Es geht immer über den persönlichen Zugang

18.09.2020

 

Robert Parr über seine Zeit im Oderbruch


Neun Jahre war Robert Parr geistlicher und pädagogischer Leiter des CVJM Oderbruch. Seit Anfang August leitet er die Evangelische Kirchengemeinde Storkower Land. Im Gespräch erinnert er sich an seine Anfänge im Oderbruch und erzählt, was Land und Leute so einzigartig macht. Du bist gebürtiger Berliner.

 

WIE BIST DU DAMALS INS ODERBRUCH GELANGT?


Die Kirche hat mich nach meinem Studium ins Vikariat übernommen und dann hergeschickt. Meine erste Reaktion war: Wo ist das? Für meinen Vorstellungstermin fuhr ich raus und musste in Müncheberg aussteigen, weil Schienenersatzverkehr war. Dann bin ich mit dem Bus über’s Land getingelt. An einer Bushaltestelle mitten in der Pampa stieg ich aus, guckte mich um: Da war ein altes, verlassenes Bahngebäude. Rechts von mir war Feld und links von mir war Feld. Und geradeaus kam mir eine kleingewachsene Frau entgegen mit Hund und Pferd (lacht).

 

Das war meine Pfarrmentorin, die mich sehr herzlich willkommen hieß. Trotz des ungewöhnlichen Anfangs hast du fast ein Jahrzehnt dort gelebt und wärst auch gern geblieben.


Richtig. Ich hatte eine Verlängerung beantragt, die aber nicht genehmigt wurde. Deswegen war seit Oktober 2019 klar, dass ich mir etwas Neues suchen werde.

 

WAS MACHT FÜR DICH DIE GEGEND IM ODERBRUCH AUS?


Zuallererst die Weite. Du kannst ewig weit gucken. Du hast die Oder, große Wiesen, endlose Fahrradwege. Eine schöne Landschaft, wenn du nicht gerade im Winter da bist.

 

WIE HAST DU DIE MENSCHEN ERLEBT?


Es gibt einen Satz, der die Leute hier gut beschreibt: Sie sind wie der Ackerboden. Wenn er trocken ist, ist er steinhart. Aber wenn sich der Boden aufweicht, dann klebt er an dir und lässt dich so schnell nicht los.

 

HAST DU ES DENN GESCHAFFT, DIE LEUTE ZU ERWEICHEN?


Ja, ich denke schon. Es hat Zeit gebraucht. Viele sind gewohnt, dass Leute kommen und wieder gehen. Gerade nach der Wende kamen Leute, versuchten ihr Glück und zogen schnell weiter.


Zurecht sind die Menschen skeptisch. Ich wollte immer fröhlich und offen sein und die Menschen so nehmen, wie sie sind.

 

DU BIST DORT IN DER ABSOLUTEN DIASPORA GELANDET. WIE WAR ES, VON GOTT ZU ERZÄHLEN?


Im CVJM wurde der Glaube mehr gelebt als drüber gesprochen. Ich war Jugendhausleiter und Lebensbegleiter. Das war eher auf einer sozialpädagogischen Ebene. Einige haben mich später auch im Gottesdienst erlebt – und dann haben sie gefragt: »Warum trägst du eine Richterrobe?« Das haben meine Frau, die auch im CVJM Oderbruch gearbeitet hat, und ich dann mit ihnen thematisiert. Es ging immer über den persönlichen Zugang. Wer dich persönlich nicht leiden kann, mit dem kannst du auch nicht gewinnend über Gott sprechen.

 

WENN DU AUF DEINE ARBEIT IM CVJM ODERBRUCH ZURÜCKBLICKST, WORAUF BIST DU BESONDERS STOLZ?


Ich bin stolz, dass der CVJM heute umso mehr als ein zuverlässiger christlicher Partner im Landkreis bekannt ist. Das war auch vor mir schon gut. Aber der Verein ist über die Jahre gewachsen und ich habe ihn weiter entwickelt. Wir haben das Familienzentrum »Das Nest« gemeinsam aufgebaut und das Projekt Blauer Bus in eine neue Generation geführt. Ich bin sehr froh über viele junge Menschen, die diesen Verein als zweite Familie und zweites Zuhause ansehen. Und gemeinsam leben wir in Gottes Gnade, obwohl wir sie häufig gar nicht erkennen oder glauben können.

 

WAS WÜNSCHST DU DEM CVJM ODERBRUCH?


Ich wünsche dem Verein, dass er seine Wurzeln nicht vergisst und diesen Geist der ersten Stunde im Blick behält. Dazu gehört, dass junge Erwachsene aus der kirchlichen Jugendarbeit den Verein gegründet und als Ehrenamtliche aufgebaut und lange getragen haben. Ich wünsche ihm weiterhin leitende Mitarbeiter, die nicht nur im Verein arbeiten, sondern mit ihm leben.

 

Vielen Dank für das Gespräch.

Wir wünschen dir alles Gute!

 

Interview: Sabrina Becker

Link zum Magazin: https://www.cvjm-ostwerk.de/resources/ecics_160.pdf